"Wir hatten anfragen aus aller Welt"

Sam Weber gibt zusammen mit dem Haller Tagblatt ein Interview über die Veränderungen im Team zur neuen Saison 2021.


Sam Weber, Team-Manager des GTR-Teams

Seit dem Jahr 2017 Jahren gibt es das German Technology Racing Team. Es entstand aus der Fusion des Untermünkheimer MHW Cube Racing Team mit dem fränkischen CEP Racing Team. In diesen vier Jahren veränderte sich das Fahrerfeld nur mäßig. Doch 2021 ist das anders. Zwar gibt es weiterhin die Konstanten, beispielsweise die Brüder Neff, doch tragen diesmal sehr viele neue Fahrerinnen und Fahrer das GTR-Trikot. Der 26-jährige Team-Manager Sam Weber hatte eine Menge Arbeit, ist mit dem jetzigen Ergebnis aber sehr zufrieden.


Die größte Unbekannte bleibt auch 2021 die Frage, ob die im Rennkalender vorgesehenen Wettbewerbe tatsächlich stattfinden dürfen.

Herr Weber, wenn man vom größten Umbruch in der Historie des GTR-Teams spricht, würden Sie dann zustimmen?

Ja, das kann man schon so sagen. Wir hatten in der Tat in den vergangenen Jahren keine großen Veränderungen. Wir hatten das auch nicht nötig. Allerdings brauchten nach einigen Abgängen jetzt frisches Blut. Beispielsweise fährt Tim Feinauer nun im Elite-Feld. Wir wollten im Nachwuchsbereich wieder jungen deutschen Talenten eine Chance geben, sich zu beweisen.

Wann hatte sich denn abgezeichnet, dass sich das Team so stark verändert?

Zunächst nicht so stark. Anfang 2020 hatte Max Holz angekündigt, dass dies seine letzte Saison als Fahrer sein wird. Er hatte vor vier Jahren gemeinsam mit meinem Vater das GTR-Team gegründet. Die Cross-DM hätte sein letztes Rennen sein sollen, allerdings wurde diese coronabedingt abgesagt.

Wie war die Situation Mitte des Jahres?

Auch da sah es noch relativ ruhig aus. Ab August habe ich wie immer die ersten Gespräche geführt, wie es für 2021 aussieht. Letztlich brauchen wir bis Ende Oktober/Anfang November die finale Entscheidung der Fahrerinnen und Fahrer, um die nächste Saison ordentlich vorbereiten zu können.

Wer außer Max Holz hatte denn schon frühzeitig seinen Abschied angekündigt?

Das waren unter anderem Melissa Calhan, Joris Enk und Lennard Brolich. Alle drei kamen aus dem Team meines Heimatvereins Tura Untermünkheim zu uns. Joris hatte es bis in den U23-Landeskader geschafft. Während Melissa mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte und deshalb mit dem Leistungssport aufhört, sind es bei Joris und Lennard berufliche Gründe, warum sie nicht mehr dabei sind.

Auch Lia Schrievers und Jakob Hartmann – zwei Zugpferde des GTR-Teams – werden 2021 für andere Teams fahren.

Das stimmt. Lia wird für ein UCI-Team, also eine Mannschaft der höchsten Kategorie, an den Start gehen. Lia suchte eigentlich kein neues Team, hat dann aber ein Angebot erhalten, das sie auch annehmen wollte. Ich bin da der letzte, der Steine in den Weg legt. Sie ist zweifache deutsche Sprint-Meisterin und hat auch im Weltcup Top-15-Platzierungen erreicht. Jakob wird sich mehr auf längere Marathons konzentrieren und wechselte daher zu einem Team, das sich mehr auf die Langdistanz konzentriert.

Da dies aber recht spät feststand, hatten Sie nicht mehr viel Zeit, um neue Fahrer zu rekrutieren. Was haben Sie getan?

Natürlich habe ich mich umgeschaut. Zugute kommt, dass das GTR-Team als eines der besten Nachwuchsteams in Deutschland gilt. Das wiederum bedeutet, dass wir auch Anfragen von Fahrern aus aller Welt erhalten. Nicht alle sind für uns interessant, aber es gab auch einige spannende, beispielsweise die von Florian Hamm. Er kommt 2021 in sein viertes und damit letztes U23-Jahr. Bei der letztjährigen DM wurde er Sechster, einen Platz vor dem Enslinger Tim Feinauer.

Er wohnt in der Nähe des Chiemsees. Und von dort kommt auch ein zweiter Fahrer zum GTR-Team, nämlich Fabian Eder.

Ja, das passt natürlich gut, dass die beiden nur wenige Kilometer voneinander entfernt wohnen. Sie haben auch schon gemeinsam trainiert. Fabian hatte ich über Instagram angeschrieben. Die sozialen Medien sind mittlerweile in wichtiges Instrument, nicht nur für unser Marketing. Fabian ist in seinem zweiten U19-Jahr, der Gailenkirchener Lars Gräter in seinem ersten.


Die Verpflichtung macht Sinn um hier starke Fahrer in einer Kategorie zu haben, die voneinander lernen können. Fabian gehört nun nach einem starken Jahr 2020 dem Nationalkader der Junioren an, er will bei uns den nächsten Schritt machen.

Warum haben Sie die Theobald-Schwestern Ronja und Johanna verpflichtet?

Wir hatten in der Vergangenheit immer auch starke Fahrerinnen, diese wollten wir wieder haben und Frauen bringen Abwechslung in das Team. Beide sind technisch sehr gut, Ronja ist in der U17 unterwegs und hat Chancen auf den Junioren-Nationalkader. Das gilt auch für unseren neuen U17-Fahrer Nils Schmidt. Komplettiert werden die Neuzugänge von Lukas Ittenbach. Er ist im zweiten U23-Jahr und wird vor allem auch unser Marathon- und Etappenteam ergänzen.

Diese sechs Neuen bilden mit Luis Neff, Sven Strähle, Tim Feinauer, Noah Neff, Janine Schneider und Lars Gräter das GTR-Team im Jahr 2021. Wie anstrengend war es für Sie, diese Mannschaft zusammenzustellen?

Ich bin noch jung und habe dementsprechend noch keine jahrelange Erfahrung im Management. Man muss da wachsen und lernen. Deshalb war das eine richtige Herausforderung an der ich teilweise an meine Grenzen gekommen bin neben einem 40h Job, schließlich wollte ich auch allen gerecht werden und ein starkes Team stellen. Die Erwartungen der Sponsoren sind hoch, deshalb hatte ich schon einen gewissen Druck.

Welche Ziele geben Sie für die Saison 2021 aus?

Natürlich wollen wir Erfolg haben, dieser steht bei uns aber nicht immer an erster Stelle. Mir ist ebenso wichtig, dass wir als Team auftreten und sich die Fahrer persönlich weiterentwickeln.


In der Szene schaut man auf uns und deshalb habe ich bei den Verhandlungen mit den „Neuen" auch darauf geachtet, dass sie menschlich zu uns passen. Alle, die wir letztlich verpflichtet haben, wollten ernsthaft in dieses Team. Das ist nicht selbstverständlich. Ich bin stolz darauf, dass mein Vater es geschafft hat, die Mannschaft so zu führen, dass wir diesen guten Ruf im Deutschen Mountainbike-Zirkus haben. Das war jahrelang harte Arbeit!

Wie sieht es mit dem Wettkampfkalender aus?

Sagen wir es so: Er ist komplett durchgeplant. Ob alles so stattfinden wird, weiß niemand. Wenn ich beispielsweise an das Rennen der Internationalen Bundesliga in Heubach denke – das ist ein Riesenevent! Es soll Ende April stattfinden. Aber wenn keine Zuschauer zugelassen werden, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass es das Rennen geben wird. Für die Organisatoren ist das finanziell mehr als schwierig stemmbar.

Wie sieht es hinsichtlich des Sponsorings für das Team aus?

Unsere finanziellen Mittel sind etwas geringer geworden, haben aktuell aber das Glück, das im letzten Jahr weniger Rennen stattfanden und es so weniger Reisen und damit Übernachtungen vor Ort gab. Dennoch gibt es laufende Kosten die man decken muss, um das Team am Leben zu halten. Unsere Sponsoren sind uns treu, haben aber natürlich mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen.

Zwischenzeitlich boomten die Online-Challenges. Auch das GTR-Team hat sich daran beteiligt. Der Trend flaute aber wieder ab. Können Sie das bestätigen?

Ja. Auch wir hatten über Strava (App für Radfahrer und Läufer) einige Challenges angeboten, da hat sich auch Luis Neff stark engagiert. Anfangs waren viele dabei, mit der Zeit wurde es weniger. Die meisten hatten irgendwann weniger Bock auf Online-Sachen und mit andauern der Pandemie wurde das nicht besser. Dabei sind wir noch in einer vergleichsweise guten Situation. Wir Mountainbiker dürfen noch raus und normal trainieren, wenn auch alleine. Aber darüber sind wir angesichts der derzeitigen Lage sehr froh!


Geburtstag: 2. Juni 1994

Geburtsort: Green Bay/USA

Wohnort: Michelfeld

Familienstand: ledig

Beruf: Multimedia-Designer

Hobbys: Mountainbike, Fußball, Sport allgemein

Bisherige Stationen: seit 2002 Freeriders Kochertal, seit 2007 MHW Cube Racing Team, seit 2019 Manager des German-Technology-Racing-Teams

Größte sportliche Erfolge: Baden-württembergischer Meister 2012 (Junioren), 6. Platz DM 2011 (Junioren), Weltcup-Teilnahmen 2011-2016



Auszug aus dem Haller Tagblatt, 30.01.2021 / Sport Regional S. 29


https://ezeitung.swp.de/suedwestpresse/schwaebisch-hall/2021-01-30/29/wir-hatten-anfragen-aus-aller-welt-54775648.html



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